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Die Glocken von St. Marien Husum

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Im Turm der St. Marienkirche hängen 5 Glocken. Sie wurden zu sehr unterschiedlichen Zeiten und an mehreren Orten gegossen. Zwei davon sind Uhrenglocken und hängen an der höchsten Stelle des Turmes.

Glocke Maria und Anna, 1506, zur Einweihung der alten Marienkirche

Die Wächterglocke, 1569, umgegossen 1729 wegen eines Risses.

Die heutige Stundenglocke, 1602, gestiftet nach einem Unwetter.

Die Uhrenglocke von 1604.

Nach dem Abriss der alten Marienkirche 1807 lagen die fünf Glocken rund 25 Jahre im Schlosshof, weil sie nicht zu verkaufen waren. Sie fanden ihren Platz dann in der neu erbauten St. Marienkirche, die 1833 eingeweiht wurde. Der Architekt C.F.Hansen hatte zunächst für die neue Kirche keinen Glockenturm vorgesehen. Erst auf Drängen der Husumer Bürger wurde der Turm in der heutigen Form geplant. Die erste Glockenaufhängung war dann auch technisch unbefriedigend, so dass ein volles Schwingen der Glocken nicht möglich war. So plante man, auch wegen Schäden, im Jahre 1898 einen neuen Turm zu errichten. Dieser war jedoch so teuer, dass man eine neue Glockenaufhängung entwickelte, die noch heute ihren Dienst tut.

Die Glocken des Geläutes sind gestimmt in den Tönen: h, cis, c, die Uhrenglocken in h und g.

Alle Glocken haben den 30-jährigen Krieg, den Abriss der Kirche und die beiden Weltkriege unbeschadet überstanden. Ein großer Glücksfall!

Besonders interessant: in Schleswig-Holstein sind noch 94 mittelalterliche Glocken erhalten. 2 Glocken von St. Marien gehören dazu.

Glockenguß ist Erfahrungssache. Aus der Werkstatt des Gießers Schonenborg/de Wou stammen die beiden Glocken von 1506. Diese Werkstatt schuf auch im Jahre 1497 die schönste und qualitätsvollste Glocke Deutschlands. Sie hängt im Dom zu Erfurt und ist 13 Tonnen schwer. Unsere größte Glocke ist die Marienglocke von 1506, sie wiegt 2,4 t.

Alle Glocken haben eine eingegossene Schrift. Auf der Rückseite sind die umfangreichen Texte abgedruckt. Quelle: Die Kunstdenkmäler der Provinz Schleswig- Holstein, 1939, Seite 112.


Glockeninschriften

1. Glocke “Maria” von 1506, Gießer: Schonenborch. Dm. 163,5, h. 157 cm. Am Hals Inschrift in gotischen Minuskeln, von gotischen Friesen eingefaßt, oben Lilien aus Astwerk wachsend, unten Ranke mit schräg geriefelter Knospe. Der letzte Teil der Inschrift unterhalb des unteren Frieses.”Svm regina polivirgo maria tonantis / inclitaqve mater qve gero tempore nomen / eterno calcans demonis astvsqve svperbi / destrvans et rabidas acherontis conterens flammas / post annos milleqvingentos sex dominiqve / fecit magister de campis nvmine divo / Schonenborch Johannes de Wov pariter cvm Arnoldo,”.

2. Glocke “Anna” von 1506, Gießer: Schonenborch. Dm. 144, h. 147 cm. Bügel geriefelt, mit Christusköpfen. Inschrift und Friese wie bei der ersten Glocke. “Per te vocentvr Anna fidelis vbiqve / calliditas sathanae procvl pellatvr ab ede / post annos mille qvingentos sex dominiqve / fecit magister de campis nvmine divo / Schonenborch Johannes de Wov pariter cvm Arnoldo,”.

3. Stundenglocke oder “Wächterglocke” war gegossenvon Michel Dibler 1569. “Ao 1569 iar godt my michel dibler dat is wahr de seegen des heren macket rick ane moy”. Sie wurde umgegossen zur folgenden:

4. Gegossen 1729 von Arnovitz, Husum. Dm. 127, h. 121 cm. Bügel geriefelt. Am Hals breietes Volutenornament mit Reihern und “verbum domine manet in aeternum”. Auf dem langen Felde: “Nicolaus Baron von Gersdorff, Ritter Praesident und Ambtmann zu Husum” Auf der Gegenseite: “Hier dient ich Kirch und Stadt in 160 Jahren da mir ein kleiner Ritz den Klang und Dienst benahm kein Kosten wolt an mir die Kirche länger sparen von Arno Witzens Guß ich neuen Klang bekam Anno Christi 1729.”

Das lange Feld ist durch eingedrückte Münzen belebt.

5. Halbstundenglocke von 1602. Gießer: Meister Melcher Lucas Brandt. Dm. 94,3 cm. Hals und langes Feld mit Figürlichem, Friesen und Schrift bedeckt. Von oben: Stehender Kreuzblumenfries, Schnur, Renaissancefries, Inschrift in Antiqua: VDT DEM FVIR BIN ICK GEFLATEN M. MELCHER LVCAS BRANT HEFT MI IM NAMEN GADES GEGATEN ANNO 1602. Hängender Kreuzblumenfries, darunter zwei längere Texte, jeder eingefasst von Schnurleisten, die an den Ecken und in der Mitte mit Lilien verziert sind. Den schmalen Raum zwischen den Textfeldern füllt auf der einen Seite eine Kreuzgruppe und zwei Schleswigsche Löwen aus, auf der anderen Seite ein Kreisrelief der Dreieinigkeit, für das ein spätgotisches Model verwendet wurde. Die Texte- in Antiqua- lauten:

EVEN 102 IAR- DER HVSMER TORN GESTANDEN WAR- WIE DVRCH ERSCHRECKLIC WINT VND STORM- GEFALLEN IST DER SPITZ VAM TORN- GEWESEN IN DER LENGE GRODT- GERADE84 FOT- VND MIT DEM SVLVEN THO GELICKER FRIST- DE HALVE STVNDEKLOCK GEGRVSET IST- 1602 DES MANDAGES VOR DEM PINGESTEN FEST- DIT GROTE VNWEDDER IS GEWEST-

M.I0ANNES. NEOKORVS.H. BERENT.BIN.DER.ICH.H.IAKOB..SAZE.DE.PRECEDENT.DOCTER.FILIP.MVIRER.RATZ. VORWANTE.HENNING.HAGGE.BRODER.DOS.TIIOFFELEMIGGO.ELER.LAVEDANTZ. HINRIK.WYE.DETLEF.LVDT.EGIDIVS.HARVERT.PETER.FINCK.DE.KARCK. GESWAREN.PETER.PONSEN.HENNING.LATER.ERIC.PAEISEN.EVERT.REKEL.

6. Glocke von 1604, Dm. 79,5 cm, h. 75 cm. Sechs Bügel mit bärtigen Köpfen. Am Hals Antiquazeile zwischen Friesen: nach oben Kreuzblumen, nach unten Lilien. “VERBVM DOMINVM MANET IN AETERNVM M MELCHIOR LVCAS ME FECIT ANNO 1604”.